Horst Bernard, ein Zeitzeuge der NS-Diktatur zu Gast im KBBZ Saarlouis

„Ich werde die Zeit nicht mehr ändern können, aber ihr!“

Geschichte aus erster Hand erlebten die Schülerinnen und Schüler des Kaufmännischen Berufsbildungszentrums Saarlouis beim Zeitzeugengespräch mit Horst Bernard.

 

Spannend und packend erzählte er von seinen Erlebnissen aus der Zeit von 1933 bis 1948. Im Rahmen des Religionsunterrichtes zum Thema „Willi Graf“ hatte Pfarrerin Anette Weber – wie letztes Jahr – den 87-jährigen in eine Klasse von Automobilkaufleuten eingeladen.

 

Atemlos hörten die Schüler zu, als er davon berichtete, dass er 1935 als dreijähriger mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester nach Südfrankreich geflohen war, weil sein Vater aus einer jüdischen Familie stammte und sich für die Sozialdemokraten und den Status Quo bei der Saarabstimmung stark gemacht hatte.

 

Horst Bernard berichtete von couragierten Menschen, die ihm z.B. ein Zeugnis mit falschem Vornamen ausstellten, damit er als Henri Bernard ein Gymnasium im damaligen Vichy-Frankreich besuchen konnte, so dass die SS und die Gestapo seiner nicht habhaft werden konnten. Nachdenklich hörten die jungen Menschen zu, als davon berichtete, wie er als 12-Jähriger Zeuge eines Massakers in Frankreich wurde, das die SS an Menschen verübte, die sich zur Beerdigung eines Resistance-Aktivisten auf dem Friedhof eingefunden hatten und er sein Leben nur durch den Sprung über die Friedhofsmauer retten konnte. Um nicht als „französischer“ Fremdarbeiter nach Deutschland gebracht zu werden, wurde sein Vater von einem Polizisten immer wieder vor anstehenden Razzien gewarnt. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und war schockiert, als er zum ersten Mal die Zerstörungen und Verwüstungen, die durch den Krieg entstanden waren, sah.

 

In den Fragen, die die Schüler ihm stellten, ging es immer wieder um die persönlichen Erlebnisse Bernards in der Zeit der Nazi-Diktatur, aber auch um die Verbindung zu gegenwärtigen politischen Geschehnissen. Es berührte die Schüler sehr, als er anlässlich des Anschlags von Halle und des Erstarkens rechtspopulistischer Tendenzen die Wichtigkeit des Erinnerns betonte, damit Ähnliches nicht erneut geschehe. „Niemand von euch, von euren Eltern, ja vielleicht sogar euren Großeltern kann für das verantwortlich gemacht werden, was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland geschehen ist. Es ist aber die Aufgabe dieser und kommender Generationen, solche Gräuel in Zukunft zu verhindern. Ich werde die Zeit nicht mehr ändern können, aber ihr“. Mit diesem Apell endete der bewegende Besuch von Horst Bernard im KBBZ Saarlouis.

 

Begleitet wurde Horst Bernard von Celina Grasse, Anna Kantenburger und Lea Ziegler, Mitarbeiterinnen des Adolf-Bender-Zentrums e.V., das diesen Besuch organisierte.